Zeitgenössische Puppenkunst
Puppenkunst in der "Jetztzeit".
Um diese Kunst besser verstehen zu können, ist es wichtig zu erfahren, wie sich die Puppe von gestern zur Künstlerpuppe entwickelt hat.
Die Begriffe Künstlerpuppe und Charakterpuppe wurden 1908 anlässlich einer großen Puppenausstellung im Kaufhaus Tietz, in München, geprägt.
Für diese Ausstellung wurden bekannte und unbekannte Künstler vom Leiter der Spielwarenabteilung, Max Schreiber, aufgerufen, eigens für diesen Anlass Puppen mit ausgeprägten Charakterzügen zu entwerfen.
Das Echo war groß und viele Künstler brachten ihre Exponate für die Ausstellung. 
Diese Ausstellung unter dem Motto "so lebensnah wie möglich" wurde zur Grundlage der Weiterentwicklung der Puppe zur Künstler- und auch zur Charakterpuppe. 
Der Markt reagierte jedoch sehr zurückhaltend auf den neuen Puppentyp. Die alte Puppe mit liebreizendem Ausdruck blieb beliebter. 
Die Charakterpuppen hatten den Nachteil der gemalten Augen und die Kinder vermissten die geliebten Schlafaugen ihrer Puppen. Als dann den Charakterpuppen auch noch versuchsweise Schlafaugen eingesetzt wurden, schauderten die Käufer. Die Charakterpuppe hatte sehr ausgeprägte Gesichtszüge und das Gesicht wirkte dadurch im schlafenden Zustand wie eine verzerrte Fratze.
Deshalb wurden in den Lagerräumen der Fabriken bald Tausende Puppenköpfe zertrümmert. Es gab zu dieser Zeit einen gewaltigen Scherbenhaufen und große Verluste.
Die Puppenfabrikanten zogen daraus die richtigen Konsequenzen. Aus der ausdrucksstarken Charakterpuppe aber auch aus dem alten, unpersönlichen Puppentyp entwickelte sie eine neue Generation von Puppen, Puppen mit so genannten Idealköpfen.
In der europäischen Geschichte ist die Herstellung von Puppen bereits im 15.Jhdt. dokumentiert und durch Funde belegt. Jedoch erst im 18.Jhdt nahm ihre handwerkliche Herstellung einen breiteren Raum in der Wirtschaft ein. 
Die Bekleidung wurde immer feiner und wertvoller. Dies führte schließlich dazu, dass die so genannten Modepuppen entstanden, die in Frankreich bei den Damen der Gesellschaft sehr beliebt waren. Jeder neue Trend der Mode konnte so mit Hilfe der Puppen vor geführt werden. Ein dreidimensionaler Katalog für die feinen Damen, die sich die neueste Mode so in ihre Salons holten.
Die neuzeitliche Geschichte der Puppe beginnt im 19. Jhdt. In dieser Zeit erlebte die deutsche Puppenindustrie ihren ersten großen Höhepunkt. 
Durch die Erfindung des Porzellans und die Industrialisierung begann die Zeit der großen Puppenfabriken in England, Frankreich und Deutschland, etwa Jumeau und Bru in Paris, Kästner, Armand Marseille, Simon & Halbig, Kämmer & Reinhardt oder Heinrich-Handwerk in Deutschland.
In der zweiten Hälfte des 19.Jhdts. wurde im Zuge der Industrialisierung auch die Erzeugung von Puppen ein umfangreicher Zweig in der Spielzeugindustrie. 
Dieser Teil der deutschen und französischen Industrie zählte bald zu den bedeutendsten Produktionen von Puppen der Welt. Zu dem Zeitpunkt entwickelten sich aus einfachen Porzellanpuppen bereits aufwendige Puppengeschöpfe. Die meisten Puppen jener Zeit zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders kostbare Gewänder trugen und eher Objekte für Vitrinen und Sofaecken darstellten. Im Übergang zum 20. Jahrhundert machte sich ein Wandel in der Einstellung gegenüber dem Kind deutlich bemerkbar. 
Die Puppe ohne Individualität stand nun der modernen Strömung gegenüber. Aus pädagogischen Gründen sollte die "heimliche Miterzieherin" der Gesellschaft der kindlichen Vorstellungswelt stark angepasst werden - die Puppe wurde als Erziehungsmittel verwendet. Mädchen sollten mit ihrer Hilfe das "Leben erlernen".
Die Puppe war nie nur ein Spielzeug wie jedes andere! Sie war und ist das Spiegelbild der jeweiligen Kultur.
Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts stellte sie eine erwachsene Person - vor dem Jahr 1800 eine vornehme Persönlichkeit dar. Von 1800 bis 1900 schlüpfte die Puppe sogar in die Rolle einer bürgerlichen Hausfrau. Ende des 19. Jahrhunderts war sie eine besondere Zeitzeugin als Stellvertreterin der gesellschaftsfähigen Frau. Mit ihrer Hilfe konnte man die Töchter zu rollenkonformen Verhalten erziehen. 
Das bürgerliche Ideal sah für das Mädchen einen strengen Rahmen von Reinlichkeit und Ordnung vor. Die Erziehung der Mädchen sollte den weiblichen Wesenskern entfalten und aus diesem sollte sich so früh wie möglich, die Lust zum Säubern und Ordnen entwickeln. Noch nie zuvor hatte die Puppe eine so fest umrissene Funktion! 
Die von Künstlern eingeleitete Reform der Spielpuppe kam bei Erwachsenen in Mode und wurde ein beliebtes Objekt im täglichen Leben. Die Puppe wurde von der Kunstszene prämiert, von der eigentlichen Zielgruppe - den Kindern - aber unmissverständlich abgelehnt. Sie wurde zum Liebhaberobjekt für Erwachsene. 
Puppengeschichte ist auch Handwerks- und Industriegeschichte. Porzellan, Textilien Papiermaché und Leder zählten lange zu den am meisten verwendeten Materialien bei der Puppenherstellung, bis sich um das Jahr 1885 innovative Unternehmer Celluloid als Ausgangsbasis für die Produktion der Puppen zuwandten. 
Industrielle Fertigungen entstanden etwa in den thüringischen Städten Sonneberg und Waltershausen. Die großen Fabriken und Manufakturen konnten aus Kostengründen auf Heimarbeit nicht verzichten, und so hatten die Arbeiter in den großen und kleinen Porzellanfabriken die Möglichkeit, Puppenköpfe zur Bemalung mit nach Hause zu nehmen. Für diesen Nebenerwerb musste meistens die ganze Familie mitarbeiten. Kinderarbeit kostete nichts und schlug sich so auch nicht in den Produktionskosten nieder. 
Viele der Heimarbeiterfamilien gingen sogar soweit, dass sie, um die billige Arbeitskraft kostenlos zu haben, Waisenkinder adoptierten. 
Nach der Einführung des Papiermachés veränderte sich die an der Herstellung und Bemalung von Spielzeug aus Holz orientierte Heimarbeit in Thüringen völlig. Die Zunft der Bossierer verschwand und wurde durch eine neue Berufsgruppe ersetzt. 
Ungelernte Arbeitskräfte, die für niedrigste Löhne arbeitenden "Drücker", stellten Puppenköpfe und -glieder her. Durch das Eindrücken der Papiermaché-Masse in Schwefelformen konnte erstmals eine Vielzahl gleicher Produkte hergestellt werden. 
Die große, weite Welt der Puppen, besteht also nicht nur aus Phantasien in Spitzen, Samt und Seide.
Im Gegenteil! Sie weist viele geschichtliche, gesellschaftliche und künstlerische Hintergründe auf und existiert somit tatsächlich!
Künstlerpuppen sind Geschöpfe der Phantasie. Die Künstler wollen Puppen gestalten, die der Spiegel der Seele sind. Diese Wesen sind niemals leblose, kalte Objekte. 
Da Puppen aber meist auch als Gefühlsobjekte betrachtet werden, hat die Kunstszene den hohen Stellenwert ihrer künstlerischen Ausdruckskraft nur sehr langsam begriffen. Als echte Kunstform ist die Künstlerpuppe aus diesem Grund auch erst nach vielen Jahren anerkannt worden. Die Eigenständigkeit dieser Geschöpfe macht jedoch die "Puppe in der Kunst" so unverwechselbar und unersetzlich.  
Die Puppe ist nicht irgendein Gebrauchsgegenstand! Sie ist ein Produkt der Gründerzeit in höchster Vollendung. Ein Luxusgut, das in Massen industriell hergestellt wurde, und eigentlich im Grunde auf dem sozialen Elend der Arbeiterschicht beruhte.
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Auszüge aus dem Buch "Künstlerpuppen im Museum Hintermann"
von Ingrid Taupe, Verlag Puppen & Spielzeug
 

 

 

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last update 28.03.09

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ARTLANDYA - eine Welt der Fantasie auf den Kanarischen Inseln. Eine Welt mit Künstlerpuppen aus Vinyl, Porzellan und anderen Materialien. Künstlerpuppen von Annette Himstedt, Hildegard Günzel, Philip Heath, Susi Eimer, Evelyn Lindner, Gabriele Braun Heidi Ott, Götz und vielen anderen Puppenkünstlern und Manufakturen. Teddybären von vielen Künstlern wie, Finhold Gallery, zwergnase, Teddy Hermann, Martin, Annette Rauch, Gaby Schlotz und anderen. Ein Erlebnispark  mit Tiergarten mit Shetland Ponys, Falabellas, Minischweinen, Dahomeyrindern, Zwergziegen sowie  Werkstätten für Puppen, Teddybären und Glas auf Teneriffa in Icod de los Vinos, der schönen Stadt des Weines. Cafe Restaurant mit Aussicht auf den Teide und das Meer. Weinverkostungen in der eigenen Bodega und Tapas im Weinkeller. Angebote für Kreativurlaub und Kursen der verschiedensten Kunsthandwerksrichtungen. Wunderschöne Appartements, Studios mit der Möglichkeit an Akademiekursen teil zu nehmen. Online Shop